StartseiteUnternehmenKundenmagazin WIN!Im FokusSmarte Verbindungen vom Sensor bis zur Cloud

Smarte Verbindungen vom Sensor bis zur Cloud

Im Zuge der Industrie 4.0 werden Digitalisierung und Automatisierung immer enger miteinander verschmelzen. Michael Matthesius, Leiter der Division Automation Products and Solutions, erläutert, welche Vorteile sich daraus für produzierende Unternehmen eröffnen und mit welchen Ansätzen und Lösungen Weidmüller ihnen als Partner zur Seite steht.

 

WIN! Weidmüller hat sein Portfolio zunehmend um Elektroniklösungen erweitert und steigt nun wieder in die Automatisierungstechnik ein. Warum zum jetzigen Zeitpunkt?

Matthesius: Ganz einfach, weil die Zeit reif dafür ist. Die Digitalisierung eröffnet vollkommen neue Möglichkeiten und Chancen, Produktionsprozesse zu organisieren, zu überwachen und zu steuern. Zugleich stellt die Industrie 4.0 gänzlich neue Anforderungen, die es zu beantworten gilt. Die Maschinenbaubranche beispielsweise hat erkannt, dass Digitalisierungslösungen für den Unternehmenserfolg eine immer zentralere Rolle spielen. Das betrifft den Ausbau von individuellen Services ebenso wie die Konzeption datenbasierter Geschäftsmodelle oder vorausschauender Wartungssysteme – Stichwort „Predictive Maintenance“. Unser Anspruch ist es, die Chancen des aktuellen Technologiesprungs für unsere Kunden nutzbar zu machen und gemeinsam mit ihnen in enger Partnerschaft an Lösungen für die Zukunft zu arbeiten. Dazu entwickeln wir abgestimmte Lösungen für eine integrierte Automatisierung und Digitalisierung.

WIN! Zu diesem Zweck hat Weidmüller die neue Division Automation Products and Solutions gegründet, die Sie leiten. Wie stark ist Ihre Einheit, und mit welchen Themen befassen Sie sich im Schwerpunkt?

Matthesius: Aktuell sind in unserer Division weltweit rund 180 Mitarbeiter tätig, die wir mit ihrem jeweiligen Expertenwissen aus verschiedenen Weidmüller Bereichen zusammengezogen haben. Auf diese Weise können wir Synergien und Fach-Know-how best- möglich nutzen. Beim Großteil des Teams handelt es sich um Fachleute, die mit der Elektronik- und Software- Entwicklung befasst sind. Unser Ziel ist es, bei den aktuellen Trends im Bereich Digitalisierung und Automatisierung zu den Vorreitern zu zählen. Dazu verbinden wir Werte wie Kompetenz, Kunden- nähe und permanente Innovation, für die Weidmüller seit jeher steht, mit einem hohen Maß an Agilität und Flexibilität in unserer täglichen Arbeit. Ein konkretes Beispiel, wie das für unsere Kunden spürbar wird,

Der Schlüssel zu praxisgerechten Industrie-4.0-Lösungen liegt in der intelligenten Verbindung aller Ebenen: von kommunikations- fähigen Komponenten über leistungsstarke Automatisierungs- technik bis hin zur smarten Digitalisierung – durchgängig vom Sensor bis zur Cloud

ist unser Angebot zum Application Engineering für kundenspezifische Automatisierungs- und Digitalsierungs- lösungen, das wir derzeit aufbauen. Dabei konzentrieren wir uns zunächst auf den Maschinen- und Anlagenbau, etwa im Bereich Industrial Analytics, sowie die Energietechnik. Für Betreiber von Windenergie- und Photovoltaikanlagen bieten wir schon heute Mehrwert bringende Lösungen an.

WIN! Im Zuge der Industrie 4.0 werden die Anforderungen an Automatisierung, Steuerung und Datenanalyse immer komplexer. Da liegt es auf der Hand, Kompetenzen zu bündeln, etwa in Form von Kooperationen. Wie wichtig ist dieses Thema für Sie?

Matthesius: Das Thema hat in der Tat sehr große Bedeutung für uns. Niemand kann mit der rasanten Entwicklung der Digitalisierung allein Schritt halten. Wissenstransfer und Kooperationen im Sinne gemeinsamer Entwicklungen nehmen schon heute großen Stellenwert ein und werden noch wichtiger werden. Intensive Kooperationen pflegen wir bereits mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen wie dem Fraunhofer-Institut und werden diese in den kommenden Jahren ebenso wie die Partnerschaften zu anderen Unternehmen weiter ausbauen.

WIN! Die Basis für die vernetzte und intelligente Industrie 4.0 bilden kommunikationsfähige Komponenten. Was bietet Weidmüller in diesem Bereich?

Matthesius: Kommunikationsfähige Komponenten schaffen die Voraussetzungen für eine schnelle Bereitstellung und Verarbeitung von Prozessdaten. Zusammen mit Industrial-Ethernet-Komponenten ermöglichen sie eine intelligente, sicherheitsgerichtete Vernetzung in der Produktion und den gewinnbringenden Datenaustausch zwischen Maschinen und IT-Systemen. Dies schafft überhaupt erst die Basis für zukunftsweisende Digita- lisierungslösungen und zählt daher zu unseren Kernprodukten in diesem Bereich. Darauf setzen etwa unser Automatisierungsbaukasten oder auch Industrial Analytics auf.

 Michael Matthesius leitet die neu gegründete Division Automation Products and Solutions bei Weidmüller

Michael Matthesius leitet die neu gegründete Division Automation Products and Solutions bei Weidmüller

WIN! Stichwort Automatisierungsbaukasten: Sie haben angekündigt, diesen weiter auszubauen. Wie weit sind Sie damit?

Matthesius: Unsere Intention ist es, die digitale Transformation plattformunabhängig voranzutreiben. Ohne leistungsstarke Auto- matisierungstechnik wird es nicht möglich sein, das Internet of Things zu beherrschen. Deshalb haben wir u-mation entwickelt, einen offenen, individuell skalierbaren Automatisierungsbaukasten. Unsere Auto- matisierungsfamilie entsteht Schritt für Schritt und wird kontinuierlich weiter ausgebaut. Zu dem Remote-I/O-System u-remote kommt jetzt unser innovativer IoT-Controller u-control für klassische steuerungs- technische Aufgaben hinzu.

WIN! Und was unterscheidet u-mation von anderen Systemen?

Matthesius: Wir bieten nicht einfach noch eine weitere Automatisierungs- lösung an, sondern haben unseren Automatisierungsbaukasten von Beginn an Industrie-4.0-fähig gemacht. Die Anbindung an Cloud-Systeme ist ebenso selbstverständlich wie die Möglichkeiten zur Echtzeit- kommunikation und Datenanalyse, durchgängig vom Daten erfassenden Sensor bis zur Cloud. Dies ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal unserer Lösung. Mit dem Baukasten bieten wir eine umfassende

Toolbox für die Industrie 4.0, die mühelos für verschiedene Applikationen anpassbar ist. Das ermöglicht es etwa Maschinenbauunternehmen, fortschrittliche Technologien schnell zu implementieren und sicher zu beherrschen. Schließlich muss am Ende die Maschine funktionieren – nicht mehr und nicht weniger.

WIN! Ihr Internet-of-Thing-Controller u-control ist auf die webbasierte Kommunikation ausgelegt. Können Sie mehr Details zu seinen Eigenschaften erläutern?

Matthesius: Mit seinem webbasierten Engineering-Tool ermöglicht es u-control, jederzeit, von jedem Ort und mit jedem Endgerät auf Maschinen zuzugreifen. Die Steuerung löst sich somit weiter von der Hardware. Die offenen Webtechnologien machen den Anwender unabhängig von Geräten und Betriebssystemen. Individuelle Anforderungen lassen sich vergleichsweise einfach als Zusatzsoftware per App auf den Controller laden.

Ein weiterer entscheidender Vorteil ist, dass die Steuerung auf IT-Technologien aufgesetzt ist, sodass für die Programmierung gemäß IEC 61131-3 nur ein HTML5-Browser notwendig ist. Zusätzlicher Schulungsaufwand entfällt somit.

 

Die leistungsstarke und flexible Kombination aus Hardware, Software und Engineering, wie sie u-control bietet, ist damit aus meiner Sicht derzeit einzigartig am Markt. Während die klassische SPS-Programmierung in den letzten 25 Jahren sehr stabil geblieben ist, haben sich die IT-Technologien in der Zwischenzeit rapide weiterentwickelt. Das machen wir uns zunutze und schlagen mit unseren Produkten die Brücke zu dieser neuen Welt. So können wir Unternehmen bei der Evolution der Automatisierung begleiten.

WIN! Sie sprachen bereits den Bereich Industrial Analytics an. Wie stellt sich Weidmüller hier für die kommenden Jahre auf?

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Matthesius: Mit Industrial Analytics und dem Cloud-Service u-link sind wir schon heute der strategische Partner zahlreicher Unternehmen, wenn es um umfassende Analytics-Lösungen geht. Das Know-how aus unserer eigenen Fertigung machen wir für zahlreiche namhafte Maschinenbauer zugänglich. Dabei können wir plattformunabhängig agieren und uns sehr spezifisch an den Anforderungen des Kunden ausrichten. Unser Vorteil ist es, dass wir Applikationswissen und Analytics-Know-how miteinander verbinden. So können wir die Datenanalysen vor dem Hintergrund konkreter Applikationen integrieren und daraus Mehrwert bringende Schlussfolgerungen ableiten. Unser Ziel ist es auch in diesem Bereich, enge und langfristige Partnerschaften mit unseren Kunden zu pflegen. Nur so können wir gemeinsam die Zukunft erfolgreich gestalten.

 

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Veröffentlicht im November 2017